Inhalt: Was ist ein Troyer? · Herkunft des Namens · Materialien · GOTS · Größen & Passform · Marken & Herkunft · Pflege · Weitere Fragen
Was ist ein Troyer / Seemannspullover?
Ein Troyer, auch Seemannspullover genannt, ist ein dicker Strickpullover mit hohem, breitem Kragen, der sich per Reißverschluss öffnen und umlegen lässt. Ursprünglich trugen Fischer und Seeleute ihn als wärmenden Arbeitspullover. Heute ist er ein zeitloser Klassiker für Freizeit und Beruf.
Typisch für den Troyer sind die grobe Strickart, die klassische marineblaue Farbe und der markante Reißverschlusskragen. Weil reine Wolle wärmt und zugleich atmungsaktiv ist, wurde er zu dem maritimen Pullover schlechthin. Viele Modelabels greifen das Thema in ihren Winterkollektionen immer wieder auf, entsprechend groß ist die Vielfalt an Seemannspullovern für Damen, Herren und Kinder. Daneben gibt es nach wie vor die originalen Klassiker, die zum Teil noch in Familienbetrieben in Deutschland gestrickt werden. Mehr dazu unter Marken & Herkunft.
Der Troyer-Kragen
Erst der Kragen macht einen Pullover zum Troyer. Der breite Kragen mit Reißverschluss wird üblicherweise halb geöffnet getragen und liegt dann auf Schultern und Nacken auf. Bei Wind und Wetter lässt er sich schließen und umschlagen und ersetzt so den Schal.
Perlfang: das klassische Troyer-Strickmuster
Neben dem Kragen ist der Perlfang das zweite Erkennungsmerkmal eines echten Troyers. Diese traditionelle Strickart kombiniert rechte und linke Maschen mit gehobenen Maschen zu einem besonders dichten, strukturierten Gewebe. So entsteht eine leicht genoppte, robuste Oberfläche, die mehr Wärme speichert als ein glattes Strickmuster. Genau das brauchten Seeleute bei Wind und Kälte auf See. Zugleich bleibt der Perlfang elastisch und formstabil, sodass der Troyer auch nach Jahren seine Passform behält.
Woher kommt der Name „Troyer“?
Aussprache: Troyer reimt sich auf Heuer
Wer „Troyer“ ausspricht wie die sagenumwobene Stadt Troja, liegt knapp daneben. Richtig klingt er wie „Heuer“, der Lohn, für den Seeleute anheuern. Ein Reim, der zum Seemannspullover kaum besser passen könnte.
Herkunft: ein Wort aus der Hansezeit
Seine Wurzeln reichen bis ins Mittelalter. Laut Duden geht der Troyer auf das mittelniederdeutsche troye zurück, eine Bezeichnung für Jacke oder Wams, vermutlich benannt nach der französischen Stadt Troyes. Neben „Troyer“ verzeichnet der Duden übrigens auch die Schreibweise „Troier“. In der Seemannssprache stand er zunächst für das wollene Unterhemd oder die Strickjacke der Matrosen. Und weil Mittelniederdeutsch die Sprache der Hanse war, reiste das Wort mit ihren Koggen von Hafen zu Hafen rund um Nord- und Ostsee. Verklungen ist es dort bis heute nicht. Ein Stück Hansegeschichte, das uns bei HANSEHELD naturgemäß besonders gefällt.
Der Troyer in anderen Sprachen
Ein eigenes Wort für den Pullover mit Reißverschlusskragen ist erstaunlich selten. Unserer Recherche nach kennt außer dem Deutschen nur eine weitere Sprache eines: das Französische. Dort heißt der Troyer pull camionneur, „Lkw-Fahrer-Pullover“. Was bei uns zur See fährt, ist in Frankreich also auf der Landstraße unterwegs. Im Englischen dagegen behilft man sich mit half-zip oder quarter-zip.
Das Wort „Troyer“ selbst begegnet einem in vielen Nachbarsprachen wieder, allerdings meist als ganz gewöhnliches Wort für den Pullover:
| Sprache | Wort | Bedeutung |
|---|---|---|
| Niederländisch | trui | Pullover |
| Dänisch | trøje | Pullover, Oberteil |
| Schwedisch | tröja | Pullover, Oberteil |
| Isländisch | treyja | ursprünglich Jacke, Wams |
Troyer-Materialien
Troyer gibt es in verschiedensten Materialien, von traditioneller Schurwolle bis zu pflegeleichten Mischgeweben. Welches Material am besten passt, hängt vor allem davon ab, worauf man beim Tragen Wert legt.
Troyer aus normaler Schurwolle
Der Klassiker unter den Materialien: Normale Schurwolle besteht aus vergleichsweise dicken Fasern, die dicht beieinander liegen und für eine außergewöhnlich warme Isolierung sorgen. Damit begründet dieses Material bis heute den Ruf des Troyers als robuster Seemannspullover und ist die beliebteste und ursprünglichste Wahl für alle, die den echten Klassiker suchen. Zu den Schurwolle-Troyern
Troyer aus Merinowolle
Für unsere HANSEHELD Merino-Troyer verwenden wir Wolle einer besonders feinwolligen Schafrasse. Ihre extra dünnen Fasern kratzen nicht auf der Haut. Merinowolle wärmt zuverlässig, reguliert dabei die Temperatur und nimmt kaum Gerüche an: edel, weich und ideal für empfindliche Haut. Zu den Merino-Troyern
Troyer aus Mischgewebe bzw. Kunstfaser
Mischgewebe verbinden die wärmenden und atmungsaktiven Eigenschaften von Wolle mit dem weichen, nicht kratzenden Griff von Kunstfasern und sind dabei besonders pflegeleicht. Reine Kunstfaser-Troyer sind zusätzlich federleicht und lassen sich unkompliziert in der Maschine waschen. Beide Varianten eignen sich hervorragend für alle, die Bewegungsfreiheit und zuverlässige Wärme im Alltag oder bei der Arbeit brauchen.
Troyer aus Baumwolle
Für alle, denen Wolle zu warm, zu kratzig oder zu tierisch ist: Unsere HANSEHELD Baumwoll-Troyer sind komplett vegan, angenehm pflegeleicht und meist maschinenwaschbar. Ein unkomplizierter Begleiter auch für kühlere Sommerabende unter freiem Himmel. Zu den Baumwoll-Troyern
GOTS-zertifizierte Troyer
Die HANSEHELD-Troyer aus Merinowolle und Baumwolle sind GOTS-zertifiziert. Bei der Merinowolle steht das für Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung, artgerechte Haltung und ein Verbot von Mulesing. Bei der Baumwolle steht GOTS für Biobaumwolle aus Anbau ohne synthetische Pestizide oder Dünger.
GOTS beschränkt sich dabei nicht auf den Rohstoff: Der Standard prüft die gesamte Verarbeitungskette vom Spinnen über das Färben bis zum fertigen Troyer. Dazu gehören strenge Vorgaben für eingesetzte Chemikalien und Farbstoffe sowie soziale Mindeststandards für die Beschäftigten in allen Produktionsstufen. Zu den GOTS-zertifizierten Troyern
Troyer-Größen & Passform
Die eine Größentabelle für alle Troyer gibt es nicht. Jede Marke strickt nach eigenem Maß, und selbst innerhalb einer Marke fällt nicht jedes Modell gleich aus. Den verlässlichsten Anhaltspunkt bieten deshalb die Größentabellen, die wir für die meisten Modelle erstellt und auf den Artikelseiten als PDF hinterlegt haben. Aber Vorsicht: Grobstrick aus Wolle gibt nach und lässt sich kaum auf den Zentimeter genau vermessen. Ein wenig Spielraum sollte man den Angaben deshalb zugestehen.
Ein Tipp aus unserer Erfahrung: Wolle weitet sich beim Tragen ein wenig. Ein neuer Troyer darf deshalb anfangs ruhig etwas knapper sitzen, mit der Zeit gibt er von selbst etwas nach.
Alle Damen-Troyer haben gegenüber der eher weiten klassischen Form einen an die weibliche Figur angepassten, leicht taillierten Schnitt. Frauen, die es weiter und lässiger mögen, greifen einfach zu einem Herren-Troyer und finden ihre Größe mit einer einfachen Faustregel: Damengröße plus sechs ergibt ungefähr die passende Herrengröße. Aus einer Damen-40 wird so etwa eine Herren-46.
Troyer-Marken & Herkunft
Vier Namen stehen bis heute ganz besonders für den traditionellen Troyer: HANSEHELD, Elbe, Leuchtfeuer und Grote. Daneben führen wir ausgewählte Modelle weiterer Marken, und so führt die Spur unserer Troyer von der Lüneburger Heide bis nach Griechenland, Rumänien, Norwegen, Irland und Indien.
| Marke | Gefertigt in | Besonderheit |
|---|---|---|
| HANSEHELD | Deutschland & Griechenland | Multi-Marken-Shop für Troyer und seit 2012 mit eigenen Modellen aus Schurwolle sowie GOTS-zertifizierter Merinowolle und Baumwolle |
| Elbe | Deutschland & EU | Hamburger Familienunternehmen, seit Jahrzehnten bekannt für hochwertige Troyer |
| Leuchtfeuer | Deutschland | Strickerei in Lilienthal bei Bremen, seit 1956 familiengeführt und auf Troyer spezialisiert |
| Grote | Deutschland | Strickerei in der Lüneburger Heide, seit 1973 |
| Bråtens | Norwegen & Rumänien | Norwegische Wollmarke seit 1955, deren Geschichte mit Socken für die norwegische Armee begann |
| IrelandsEye | Irland | Dubliner Familienunternehmen seit 1988, benannt nach einer kleinen Insel vor der irischen Küste |
| MELA | Indien | Deutsches Label seit 2014, dessen Name auf Hindi „gemeinsam handeln“ bedeutet |
Troyer-Pflege
Waschen & Trocknen
Bei Wolltroyern gilt: Weniger ist mehr. Wolle nimmt Gerüche kaum an und reinigt sich zu einem guten Teil selbst. Oft genügt es, den Troyer nach dem Tragen über Nacht auszulüften, und einzelne Flecken lassen sich mit einem feuchten Tuch und etwas Wollwaschmittel gezielt behandeln. Das schont die Fasern und verlängert spürbar die Lebensdauer.
Ist doch einmal eine Wäsche nötig, empfehlen viele Pflegeetiketten die Handwäsche. Erfahrene Wollexperten raten allerdings oft zum Handwaschprogramm der Waschmaschine: Von Hand neigt man dazu, den Pullover zu drücken, zu pressen oder zu wringen, und das strapaziert das Gewebe mehr als ein sanft drehender Wollwaschgang. Gewaschen wird kalt und mit Wollwaschmittel, denn zu warmes Wasser lässt Wolle einlaufen oder verfilzen. Gerade bei der ersten Wäsche lohnt sich ein genauer Blick auf das Pflegeetikett.
Getrocknet wird der Troyer liegend auf einem Handtuch, an einem warmen, aber nicht heißen Ort. Auf der Heizung trocknet die Wolle zu stark aus und verliert ihre Elastizität. Schleudergang und Wäschetrockner sind tabu.
Woll-Pilling
Gerade bei Grobstrick aus reiner Wolle können sich an stark beanspruchten Stellen kleine Knötchen bilden, das sogenannte Pilling. Es entsteht, wenn sich lose Wollhärchen durch Reibung herauslösen und verfilzen, etwa unter dem Gurt einer Umhängetasche, am Rucksack oder bei der Arbeit auf der Baustelle. Ganz vermeiden lässt sich das bei einem Naturprodukt wie Wolle nicht, meist zeigt es sich aber nur in den ersten Monaten. Mit einem handelsüblichen Fusselrasierer sind die Knötchen schnell entfernt, und der Pullover sieht wieder aus wie neu. Nach ein- bis zweimaliger Wiederholung ist in der Regel Ruhe. Grundsätzlich gilt: Je höher der Wollanteil, desto eher kommt es zu Pilling. Wer seinen Troyer stark beansprucht, ist mit einem Mischgewebe gut beraten.
Liegen statt hängen
Auf einen Kleiderbügel gehört ein Wolltroyer nie. Unter seinem eigenen Gewicht dehnt sich das Gewebe an Schultern und Kragen, und der Pullover verliert dauerhaft seine Form. Gefaltet im Schrank oder in der Schublade behält er dagegen über viele Jahre seinen Sitz.
Lagerung & Mottenschutz
Wer seinen Troyer über den Sommer einlagert, sollte ihn vor Kleidermotten schützen. Sie werden vor allem von Schweiß- und Hautresten angelockt, deshalb kommt der Troyer nur frisch gewaschen ins Lager. Möglichst luftdicht verpackt, etwa in einem Vakuumbeutel oder einer gut schließenden Kiste, ist er gut aufgehoben. Zedernholz oder Lavendelsäckchen im Schrank halten Motten zusätzlich auf natürliche Weise fern.
Weitere Fragen zu Troyern
Was ist der Unterschied zwischen Troyer und Rollkragenpullover?
Der Kragen. Ein Rollkragen wird über den Kopf gezogen und umgeschlagen, der Kragen eines Troyers lässt sich dagegen per Reißverschluss öffnen. So liegt er halb offen locker auf den Schultern oder wird bei Wind ganz geschlossen.
Kratzt ein Troyer?
Das hängt vom Material ab. Klassische Schurwolle hat kräftigere Fasern und kann auf empfindlicher Haut kratzen, viele tragen deshalb ein Shirt oder Hemd darunter. Wer es weicher mag, greift zu Merinowolle, Baumwolle oder einem Mischgewebe. Mehr dazu unter Troyer-Materialien.
Kann man einen Troyer auch im Sommer tragen?
Ein Wolltroyer ist für die kühlere Jahreszeit gemacht. Für milde Abende am Wasser eignet sich ein Troyer aus Baumwolle, der leichter ist und weniger wärmt.
Wie trägt man einen Troyer?
Klassisch mit halb geöffnetem Kragen über einem T-Shirt oder Hemd, dazu Jeans oder Chino. Zieht schlechtes Wetter auf, passt eine Regenjacke darüber, ganz stilecht etwa ein Friesennerz.